Wie wird der Test eingesetzt?
Ausstrichpräparate und Kulturen von säurefesten Stäbchen dienen dazu festzustellen, ob bei einem Patienten eine aktive Tuberkulose vorliegt, ob die Erkrankung durch andere Mykobakterien ausgelöst wurde und ob nicht hinter den Symptomen evtl. eine andere Krankheit steckt. Ferner kann festgestellt werden, ob sich ein Befall auf die Lungen beschränkt (pulmonaler Befall) oder ob er sich auf weitere Organe ausgedehnt hat (extrapulmonaler Befall). Weiterhin kann mit diesen Tests eindeutig Tuberkulose durch den Nachweis von Mycobacterium tuberculosis festgestellt werden. Ein weiterer wichtiger Untersuchungsschritt ist die Identifikation von möglichen Resistenzen der Tuberkulosebakterien gegen Medikamente. In diesem Zusammenhang können auch reine Kulturen gezüchtet werden, um Sensitivitätstests (Prüfung der Empfindlichkeit) auf bestimmte Antibiotika durchzuführen. Dabei können die Tuberkulosebakterien bereits von Anfang an Resistenzen gegen Antibiotika (Tuberkulostatika) aufweisen, die als primäre Resistenz bezeichnet wird. Außerdem können sich unter Therapie Resistenzen ausbilden. Diese sekundären Resistenzen werden durch die Gabe kombinierter Medikamente vermindert, so daß eine genaue Einnahme aller Medikamente entscheidend zur Vermeidung der Resistenzentwicklung bei. Schließlich dienen diese Tests zur Überwachung einer Behandlung und dem endgültigen Entscheiden, ob ein Patient nach einer Behandlung noch infektiös ist.
Da Tuberkulose über die Luft übertragen wird – der Erreger wird über Atemwegssekrete verteilt - und sehr infektiös ist, geht von ihr ein öffentliches Gesundheitsrisiko aus. Nur 10 Mykobakterien reichen aus, um eine Tuberkuloseinfektion auszulösen. Sie kann sich innerhalb räumlich begrenzter Gruppen leicht ausbreiten, so z.B. in Gefängnissen, Altenheimen oder Schulen. Sehr junge oder sehr alte Menschen sowie Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders anfällig. Ausstrichpräparate und Kulturen können dabei helfen, die Tuberkulose in solchen Bevölkerungsgruppen aufzuspüren und deren Ausbreitung einzudämmen.
Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Untersuchungen auf säurefeste Stäbchen können sinnvoll sein bei
- Symptomen, die auf eine pulmonale Tuberkulose hinweisen, wie langandauernder Husten, der blutig sein kann, Gewichtsverlust, geringgradiges Fieber, Nachtschweiß
- positivem TB Hauttest (Mendel-Mantoux-Test) und charakteristischer Lungenbeteiligung (sichtbar im Röntgen).
- Kontakt zu Infizierten, meist Familienangehörige oder Kollegen, und Auftreten von Symptomen oder bestehenden Risikofaktoren, die für eine Ansteckung anfälliger machen, wie z.B. HIV (Patienten mit AIDS neigen viel häufiger dazu, dass sich eine Tuberkulose extrapulmonal mit wenig und unklaren Symptomen niederschlägt),
- Behandlung einer Tuberkulose. Ausstrichpräparate und Kulturen werden in regelmäßigen Intervallen angefordert, um einerseits die Effektivität der Therapie zu bewerten und andererseits zu entscheiden, ob ein Patient noch infektiös ist oder nicht.
Was bedeutet das Testergebnis?
Ausstrichpräparate, die positiv auf säurefeste Stäbchen getestet wurden, zeigen in der Regel eine Infektion mit Mykobakterien an, nur wenige andere Bakterien, z.B. einige Nocardien können ebenfalls eine ähnliche säurefeste Färbung annehmen. Positive Tuberkulose-Kulturen erlauben hingegen ein eindeutiges Urteil darüber, um welche Art Mykobakterium es sich handelt und geben Hinweise auf eine mögliche Resistenz gegen Antibiotika.
Wenn nach einigen Wochen Behandlung die Ausstrichpräparate oder die Kulturen säurefester Stäbchen immer noch positiv sind, ist es möglich, daß die Therapie nicht greift und die Medikamente meist aufgrund von Antibiotikaresistenzen geändert werden müssen. Außerdem bedeutet dies, dass der Patient immer noch infektiös ist und andere Menschen über Husten oder Niesen anstecken kann.
Ein negatives Testergebnis bedeutet entweder, dass der betroffene Patient keine Erkrankung säurefester Stäbchen mehr hat oder eine getestete Einzelprobe frei von Mykobakterien war (weshalb meist mehrere Proben gewonnen und untersucht werden). Bei trotz negativem Testergebnis eindeutig bestehender Tuberkulose könnte die Infektion außerhalb der Lunge bestehen, so daß von anderer Stelle des Körpers Proben entnommen werden müssen. Negative Testergebnisse mehrere Wochen nach einer begonnenen Therapie machen es sehr wahrscheinlich, dass die Tuberkulose ausgeheilt ist und der Betroffene nicht mehr ansteckend ist.
Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Manchmal werden Tuberkulose infizierte Kinder danach behandelt, welcher Erreger bei der vermuteten Infektionsquelle (z.B. Eltern) in der Kultur gefunden und auf Antibiotika-Sensitivität getestet wurde. Der Grund hierfür liegt darin, dass bei Kindern Ausstrichpräparate und Kultur trotz vermuteter Erkrankung oft negativ ausfallen, da die Gewinnung von ausreichend gutem Untersuchungsmaterial bei Kindern besonders schwierig ist.
Um die lange Zeit zu verkürzen, welche die Tuberkulose-Diagnostik mittels Kultur notwendigerweise dauert, wurden weitere Tests entwickelt, die das Erbgut (DNA) der Mykobakterien für diagnostische Zwecke heranziehen. Man kann in verdächtigen Proben durch Vermehrung von Teilen der genetischen Information von Mykobakterien diese innerhalb weniger Stunden nachweisen und das Erregerspektrum auf einen Komplex von Mykobakterien eingrenzen, innerhalb dessen M. tuberculosis der häufigste ist. Diese Methode ist sehr sensitiv und in Kombination mit positiven Ausstrichpräparaten auch spezifisch. Wenn diese genetische Testung zusammen mit einem negativen Ausstrich gemacht werden, ist deren Ergebnis weniger aussagekräftig. Aufgrund zahlreicher Störfaktoren der DNA-Tests zum Nachweis von Mykobakterien muß auch bei negativem Testausfall bei klinischem Verdacht auf eine Tuberkulose eine Therapie eingeleitet werden. Der DNA-Nachweis wird in der Regel als Bestätigungstest für positive Kulturen eingesetzt. Als direkte Nachweismethode muß der DNA-Nachweis in Kombination mit der Kultur bewertet werden. Allerdings liefert sie schnelle Ergebnisse, durch welche erste Maßnahmen, wie Isolierung eines potentiell infizierten Patienten, eingeleitet werden können, um so eine Ausbreitung der Erkrankung einzudämmen.
Mittels spezieller molekularbiologischer Verfahren ist es bereits möglich, für einige Tuberkulostatika, wie z.B. Isoniacid und Rifampicin, die wichtigsten Resistenzen über PCR nachzuweisen. Allerdings ist eine umfassende Analyse der Sensibilität bzw. Resistenz aller Medikamente/ Tuberkulostatika derzeit nur über die kulturelle Anzucht möglich.








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