Wie wird der Test eingesetzt?
Im Differentialblutbild wird die Zusammensetzung der zellulären Bestandteile und deren Verhältnis zum Plasma dargestellt. Hier können quantitative (mengenmäßige) und qualitative Veränderungen von Zellen, z.B. Anämien, Leukämien festgestellt werden. Außerdem kann anhand der Leukozytenzahl und Zusammensetzung die Fähigkeit eines Patienten abgeschätzt werden, auf eine Infektions-Krankheit zu reagieren und diese zu bekämpfen. Außerdem kann damit erfasst werden, ob das Immunsystem auf Allergene, Parasiten und andere Infektionserreger und auf Medikamente reagieren könnte. Ferner können damit verschiedene Leukämie-Arten und -Stadien bestimmt werden.
Wann könnte der Test sinnvoll sein?
Der Test wird meist als Ergänzung zum kleinen Blutbild angefordert, wenn dieses auffällig ist oder ein Verdacht auf eine bestimmte Krankheit erhärtet werden soll (s.o.).
Was bedeutet das Testergebnis?
Das Differentialblutbild gibt die Konzentration der verschiedenen weißen Blutkörperchen sowie ihr Verhältnis in Prozent an.
Neutrophile erhöhen ihre Zahl natürlicherweise als Antwort auf bakterielle Infektionen oder Entzündungen. Krankhafte Erhöhungen treten außerdem bei bestimmten Knochenmarkserkrankungen auf, wie bei der chronisch myeolischen Leukämie. Wenn die Neutrophilen-Zahl deutlich erniedrigt ist, kann die Ursache eine schwere Entzündung sein (starker Verbrauch dieser Zellen) oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Unterhalb einer gewissen Konzentration besteht Lebensgefahr.
Eosinophile steigen zahlenmäßig bei chronisch allergischen Erkrankungen, Entzündungen der Haut und bei einer Parasiten-Infektion, außerdem bei bestimmten anderen Infektionen und Malignomen sowie bei manchen Knochenmarkserkrankungen.
Basophile können bei chronischen Knochemarkserkrankungen (z.B. Leukämien), chronischen Entzündungen, Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Lebensmittel oder nach Strahlentherapie vermehrt auftreten.
Monozyten können bei den verschiedensten Infektionskrankheiten vermehrt sein, v.a. bei Tuberkulose, Lues (Syphilis) und Endokarditis (Herzinnenhautentzündung), außerdem bei Entzündungsreaktionen sowie in der Erholungsphase bakterieller Erkrankungen. Eine chronisch erhöhte und ansteigende Zahl an Monozyten kann ein Hinweis auf bestimmte Leukämie-Arten sein. Eine erniedrigte Zahl an Monozyten tritt bei schweren bakteriellen Infektionen, sowie ebenfalls bei einigen Leukämieformen auf.
Lymphozyten-Werte steigen typischerweise bei viralen Infekten wie z.B. beim Pfeiffer’schen Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose) und bei Abklingen von Infekten an, ferner bei Leukämien, Knochenmarkstumoren oder nach Bestrahlung. In der ersten Phase eines Infektes kann die Lymphozytenzahl zunächst sinken, ebenfalls erniedrigte Werte finden sich bei systemischen Immunerkrankungen, wie beim Lupus erythematodes oder einer fortgeschrittenen HIV-Infektion.
Bei verschiedenen Infektionen, insbesondere auch bei bestimmten Viren kann es bei einer Infektion auch zu einer Verminderung der Leukozyten kommen.
Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Körperliche Betätigung und Stress können die Differentialblut-Werte der weißen Blutkörperchen verändern.
Wurden bestimmte Medikamente, v.a. Steroide (Cortison) längere Zeit eingenommen oder bestand ein vermehrter Kontakt zu giftigen Chemikalien (z.B. Insektizide oder Laugen), besteht ein erhöhtes Risiko, dass das Differentialblutbild abnormal verändert ist.
Da es viele Ursachen für eine Veränderung des Differentialblutbildes gibt, ist zur Interpretation eine Betrachtung aller Befunde notwendig.