Wie wird der Test eingesetzt?
Die Untersuchungen von Protein C und Protein S können die Funktion (Aktivität) oder die Quantität (Menge) überprüfen. Sie werden in der Regel bei der Suche nach den Ursachen einer venösen Thromboembolie (VTE) angefordert - insbesondere wenn das Blutgerinnsel bei einem relativ jungen Patienten (jünger als 50 Jahre), an einer ungewöhnlichen Stelle (Lebervenen), als Sinusvenenthrombose auftritt oder ein Schlaganfall im Kindesalter vorliegt. Die akute Behandlung der Thrombose ist nicht vom Testergebnis abhängig; zur genaueren Risikobeurteilung und zur Abschätzung der Dauer der oralen Antikoagulation wird der behandelnde Arzt in der Regel eine Thrombophilie-Diagnostik durchführen.
Gewöhnlich erfolgen die Tests auf Protein C und das freie Protein S zusammen mit anderen Tests zur Bestimmung einer Hyperkoaguabilität. Falls eine Verminderung der normalen Faktoraktivität nachgewiesen ist, kann mit der nachfolgenden Untersuchung der Konzentration festgestellt werden, ob die verminderte Produktion auf einen ererbten oder erworbenen Mangel zurückzuführen ist. Falls die Verminderung eine genetische Ursache hat, kann festgestellt werden, ob der Patient für diese Mutation homo- oder heterozygot ist.
Mit Hilfe einer zweiten Probe sollte der einmalige Nachweis einer verringerten Aktivität oder Menge an Protein C oder Protein S kontrolliert werden, da eine Vielzahl von Einflüssen temporäre Veränderungen in Blick auf Höhe und Aktivität der Proteine C und S hervorrufen können. Liegt ein erworbener Mangel vor, sollten die Konzentrationen an Protein C und Protein S gelegentlich überprüft werden, da der zugrunde liegende Prozess wie bei Lebererkrankungen fortschreiten oder sich wieder normalisieren kann (z. B. bei Vitamin-K-Mangel). Eine ererbte Verminderung muss im Allgemeinen nicht überwacht werden, da dieser Mangel lebenslang bestehen bleibt.
Wann wird der Test angefordert?
Tests auf Protein C und Protein S werden durchgeführt, falls ein Patient eine Thrombose erlitten hat, jünger als 50 Jahre alt ist und/oder keine andere offensichtliche Ursache (z. B. Ruhigstellung einer Extremität durch Gips, lange Bettruhe) für die Entstehung eines Gerinnsels vorliegt. Protein C und Protein S sollten nicht unmittelbar nach dem Auftreten einer Thrombose und nicht während einer antikoagulativen Therapie (Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten) angefordert werden. Der behandelnde Arzt wird in der Regel zunächst die venöse Thromboembolie (VTE) behandeln und die unmittelbar drohende Thrombosegefahr bannen; daran schließt sich eine zeitlich begrenzte antikoagulative Therapie (oft über drei bis sechs Monate) an.
Da im Krankenhaus in der Regel mit der oralen Antikoagulation begonnen wird, wird dort im Allgemeinen zunächst die Konzentration von Protein C und freiem Protein S und anderer Faktoren, die mit der Hyperkoaguabilität in Verbindung gebracht werden untersucht (Thrombophiliediagnostik); auf diese Weise wird die Ursache des Thrombus und die Rezidivwahrscheinlichkeit (Risiko, dass dieser Krankheitszustand erneut auftritt) bestimmt. Die Menge an Protein C und Protein S wird gemeinsam mit oder nach der Bestimmung der Funktion bzw. Aktivität ermittelt, um Schweregrad und Typ des Mangels festzustellen. Handelt es sich um einen erworbenen Mangel, kann der Arzt es als sinnvoll erachten, den Protein-C- und Protein-S-Spiegel zu kontrollieren um festzustellen, ob die Situation sich verschlechtert oder bessert.
Obwohl Protein-C- und Protein-S-Tests nicht generell zur Routinevorsorge empfohlen werden, erfolgen diese Untersuchungen manchmal bei nahen Verwandten von Patienten mit angeborenem Protein-C- oder Protein-S-Mangel. So kann festgestellt werden, ob auch Verwandte an diesem Mangel leiden und eine prophylaktische Antikoagulation erforderlich ist. Diese Maßnahme ist angezeigt, wenn der Betroffene an einer sehr schweren Form leidet (z. B. homozygote Mängel an Protein S und C) oder bereits in sehr jungen Jahren die erste Thrombose aufgetreten ist.
Was bedeutet das Testergebnis?
Erhöhte Spiegel an Protein C und Protein S stehen nicht unbedingt in unmittelbarem Zusammenhang mit medizinischen Problemen, obwohl Berichte über einen möglichen Anstieg des Protein C in der Schwangerschaft oder während der unter oralen Kontrazeption vorliegen. Eine normale Aktivität von Protein C und Protein S weist auf eine angemessene Gerinnungssteuerung hin. Niedrige Konzentrationen von Protein C oder Protein S können zu einer übersteigerten Bildung von Gerinnseln führen. Das gilt auch bei einer Dysfunktion des Proteins: Die Gerinnungshemmung ist trotz normaler Mengen an Protein gestört.
Eine verminderte Konzentration von Protein C und Protein S können bei Lebererkrankungen, Vitamin-K-Mangel, schweren Infektionen (entzündlichen Veränderungen), Nierenerkrankungen, Krebsleiden, disseminierter intravaskulärer Koagulation (DIC), HIV, in der Schwangerschaft, unmittelbar nach einer Thrombose sowie bei einer Markumar- oder Heparintherapie auftreten. Diese Veränderungen zeigen eine verminderte Produktion oder einen erhöhten Verbrauch von Protein C und/oder Protein S an; sie können in milder Form und zeitlich begrenzt (z. B. in der Schwangerschaft) oder mit beachtenswerter Schwere und akut, chronisch oder fortschreitend auftreten. Ein besonderes Augenmerk ist auf die Ursache dieser Veränderung zu richten. Eine physiologisch bedingte Verminderung in der Schwangerschaft weist in der Regel nicht auf ein erhöhtes Thromboserisiko hin.
Was sollte man außerdem wissen?
Besteht zusätzlich ein Mangel an anderen Faktoren (z. B. vermindertes Antithrombin, Faktor-V-Leiden oder Prothrombin-20210-Mutation) erhöhtt sich das thrombotische Risiko durch den Mangel an Protein C oder Protein S erheblich. Sollte ein operativer Eingriff notwendig sein, kann Fresh Frozen Plasma (es enthält Protein C und Protein S) als Vorsorgemaßnahme angewendet werden. Kurzfristigen Schutz bietet auch ein Konzentrat von Protein C.
Anmerkung: Für diesen Test steht kein Standard-Referenzbereich zur Verfügung. Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflußt werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrens-abhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.








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