Wie wird der Test eingesetzt?
D-Dimer-Tests werden, gemeinsam mit anderen Untersuchungen und bildgebenden Verfahren, zum Ausschluss, zur Diagnose und Überwachung von Krankheitsbildern und Gesundheitszuständen, die eine Hyperkoagulabilität (eine unangemessen erhöhte Gerinnungsneigung) verursachen, veranlasst.
Eine der häufigsten Ursachen ist die tiefe Venenthrombose, die die Bildung eines Gerinnsels in den tiefen Venen des Körpers bezeichnet und meist in den Beinen auftritt. Diese Gerinnsel können sehr groß werden und den Blutabfluss aus den Beinen unterbrechen, was Schwellungen, Schmerzen und Gewebeschäden hervorruft. Es ist möglich, dass sich Teile diese Gerinnsels losreißen und in andere Körperbereiche wandern, wo diese Blutverklumpungen dann zum Beispiel eine Lungenembolie (ein Gerinnsel in der Lunge) verursachen können.
Die meisten dieser Gerinnsel treten in den Venen, sehr selten aber auch in den sauerstofftransportierenden Arterien, auf. Die Verschleppung einer venösen Thrombose in die Arterien wird als Thromboembolie bezeichnet. Wenn ein Gerinnsel so den Blutfluss zu einem lebenswichtigen Organ, wie Niere, Gehirn oder Herz blockiert, kann das zu irreversiblen Organschäden (Infarkt) bis hin zum Organversagen führen. Der D-Dimer-Spiegel wird daher bestimmt, um so eine tiefe Venenthrombose, eine Lungenembolie oder eine arterielle Thrombose auszuschliessen.
Messungen der D-Dimere können auch gemeinsam mit anderen Tests zur Diagnose der DIC (disseminierten intravaskulären Koagulation) herangezogen werden. Die DIC ist ein komplexer akuter Zustand, der durch eine Vielzahl von Situationen hervorgerufen werden kann: einigen operativen Eingriffen, dem septischen Schock, Giftschlangenbissen, Lebererkrankungen und nach der Geburt. Durch die DIC werden die Gerinnungsfaktoren im ganzen Körper aktiviert und dadurch verbraucht. Dies führt zu zahlreichen kleinen Gerinnseln und macht den Patienten zugleich anfällig für exzessive Blutungen. Die D-Dimer- Werte werden bei der DIC zur Überwachung der Effektivität der DIC-Behandlung verwendet.
Wann könnte der Test sinnvoll sein?
D-Dimere werden angefordert, wenn ein Patient Symptome einer tiefen Venenthrombose, wie Schmerzen im Bein, Spannungsgefühl, Schwellung, Verfärbung oder Ödeme, zeigt. Auch bei Anzeichen einer Lungenembolie wie Atemnot, Husten und ein von der Lunge kommender Brustschmerz, werden diese Werte untersucht. Besonders hilfreich sind sie zum Ausschluss einer Lungenembolie und tiefer Venenthrombose. Sie stellen so für den Arzt einen schnellen, nicht-invasiven Weg dar, die eine überschießende Gerinnung festzustellen.
Wenn ein Patient Symptome einer DIC zeigt, unter anderem Zahnfleischbluten, Übelkeit, Erbrechen, schwere Muskel- und Bauchschmerzen, Anfälle und Oligurie (verminderte Urinausscheidung), kann ein D-Dimer-Test zusammen mit TPZ (Quick-Test), aPTT, Fibrinogen und der Plättchenzahl bei der Diagnosefindung helfen. Die D-Dimere können bei Patienten mit DIC auch zur Überwachung des Therapiefortschrittes in Abständen kontrolliert werden.
Zur Abklärung einer Weiterführung einer Therapie mit Coumarinen.
Was bedeutet das Testergebnis?
(Anmerkung: Für diesen Test steht kein Standard-Referenzbereich zur Verfügung. Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflußt werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrens-abhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.)
Ein hoher D-Dimer lässt auf die Anwesenheit eines ungewöhnlich hohen Spiegels an Fibrinabbauprodukten im Blut schliessen. Dies ist ein Hinweis für den behandelnden Arzt, dass es im Körper zu einer beträchtlichen Gerinnselbildung (Thrombus) und dessen Abbau gekommen ist, gibt aber keine Auskunft über den betroffenen Ort oder die Ursache. Ein erhöhter D-Dimer- Wert kann aufgrund einer VTE oder DIC auftreten, aber auch nach vorausgegangener Operation, Trauma oder Infektion. Auch bei Lebererkrankungen, Schwangerschaft, Eklampsie (Schwangerschaftskrankheit), Herzerkrankungen und einigen Krebsarten können die Werte erhöht sein.
Ein normaler D-Dimer-Wert schließt einen akuten Zustand oder ein Krankheitsbild, das eine abweichende Gerinnselbildung oder dessen Abbau zur Folge hat, weitestgehend aus. Die meisten Ärzte stimmen darin überein, dass der Test am aussagekräftigsten und nützlichsten ist, wenn er bei Patienten mit geringem Risiko zum Einsatz kommt. Dieser Test wird zum Ausschluss einer Gerinnungsstörung als Ursache der Symptome verwendet.
Der D-Dimer–Test wird als Zusatzuntersuchung empfohlen und sollte nicht als einziger Test zur Diagnosestellung herangezogen werden. Sowohl erhöhte als auch normale D-Dimer-Werte können Nachuntersuchungen erfordern und zu weiteren Tests veranlassen.
Gibt es weiteres, das ich wissen sollte?
Eine antikoagulatorische Behandlung kann ein falsch negatives Ergebnis verursachen. Es gibt mehrere verschiedene Methoden, um D-Dimere zu testen. Untersuchungen die auf eine quantitative Erfassung abzielen, werden meist im Krankenhauslabor während jene, die eine qualitative Aussage anstreben, in der ärztlichen Praxis durchgeführt werden.
D-Dimer-Konzentrationen können auch bei älteren Menschen erhöht sein und auch bei hohen Rheumafaktorspiegeln (einem Eiweiß, das bei rheumatoider Arthritis gefunden wird) werden bisweilen falsch positive Ergebnisse gemessen. Stoffe, wie zum Beispiel hohe Triglyzeride, Lipidämie (eine große Menge von Fetten im Blut, die der Patient durch fettige Speisen vor der Untersuchung verursachen kann) und Bilirubin können ebenso wie Hämolyse durch unsachgemäße Gewinnung und Behandlung der Probe falsch positive Werte erzeugen.