Wie wird der Test eingesetzt?
Wird bei einem Patienten die Diagnose Diabetes Typ 1 oder Typ 2 zum ersten Mal gestellt, können die C-Peptid-Werte bei der Beurteilung helfen, wieviel Insulin noch im Pankreas (Bauchspeicheldrüse) des Patienten hergestellt wird und inwieweit dieses Insulin effektiv genutzt wird.
Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um einen Autoimmunprozeß, der meist bereits in der frühen Kindheit beginnt und die fast vollständige Zerstörung der B-Zellen des Pankreas nach sich zieht. Schließlich wird nur noch wenig oder gar kein Insulin (oder C-Peptid) produziert, dies führt zu einer kompletten Abhängigkeit auf Insulinzufuhr von außen.
Beim Ty-2-Diabetes, der auch häufig „Altersdiabetes“ genannt wird, führt eine Kombination aus mehreren Faktoren zu Verminderung der Insulinproduktion und erhöhter Insulinresistenz, verbunden mit einer Schädigung der B-Zellen. Diese Form des Diabetes wird gewöhnlich mit oraler Gabe von Medikamenten behandelt, die den Körper stimulieren sollen, mehr Insulin herzustellen und/oder die Zellen veranlassen, sensitiver auf das vom Körper eigenständig produzierte Insulin zu reagieren. Auch beim Typ-2-Diabetes kann es schließlich zu einer sehr geringen oder fehlenden Insulinherstellung kommen, so daß Injektionen notwendig sind. Das gesamte vom Körper herstellte Insulin spiegelt sich im C-Peptidspiegel wider; daher kann dessen Bestimmung zur Überwachung der B-Zell-Aktivität und -Kapazität im zeitlichen Verlauf genutzt werden: Der behandelnde Arzt kann besser den Zeitpunkt beurteilen, von dem an der Patient einer unterstützenden Insulintherapie bedarf.
Die Messung des C-Peptids kommt in Betracht auch in Verbindung mit dem Insulin- und Glukosespiegel zur Abklärung einer dokumentierten Hypoglykämie und zur Therapiekontrolle. Symptome einer Hypoglykämie können durch eine überschüssige Insulinverabreichung, Alkoholkonsum, ererbten Leberenzymdefekten, Leber- oder Nierenerkrankungen oder Insulinomen (Tumoren der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse, die unkontrolliert Insulin und C-Peptide produzieren) verursacht werden.
Wann kann der Test sinnvoll sein?
Bei Diabetes können die C-Peptid-Werte bestimmt werden, um die „residuelle B-Zell-Funktion“ (wieviel Insulin die B-Zellen des Patienten noch produzieren) bewerten zu können. Beim Typ-2-Diabetes kann dieser Test zur Überwachung des B-Zell-Status und der Insulinherstellung im zeitlichen Verlauf und zur Beurteilung eingesetzt werden, wann/ob Insulinspritzen benötigt werden. Da der C-Peptid-Abbau bevorzugt in der Niere erfolgt, führt eine eingeschränkte Nierenfunktion zur kumulativen Erhöhung der C-Peptid-Konzentration. Daher können die C-Peptid-Spiegel in Urin und Blut auch zur Überprüfung der Nierenfunktion und der C-Peptid Clearance-Rate des Patienten (Zusammenhang zwischen C-Peptid-Konzentration im Blut und sezernierter C-Peptid-Menge im Urin) angewendet werden.
Auch bei dokumentierten akuten oder wiederkehrenden Hypoglykämien können C-Peptide hilfreich sein. Die Hypoglykämien äußern sich mit Schwitzen, Palpitationen, Hunger, Verwirrung, Sehstörungen und Anfällen, obwohl diese Symptome auch bei anderen Krankheitsbildern auftreten können. Auch bei der Unterscheidung zwischen überschüssiger Insulinproduktion und übermäßiger Insulinverabreichung und Insulinomen kann die Bestimmung der C-Peptide unterstützend eingesetzt werden.
Nach einer Entfernung des Pankreas oder in seltenen Fällen bei Patienten mit Pankreas-Inselzell-Transplantat (zur Rekonstruktion der Fähigkeit, Insulin zu produzieren) können die C-Peptide untersucht werden, um die Effektivität der Therapie und den fortschreitenden Behandlungserfolg zu beurteilen.
Was bedeutet das Testergebnis?
(Anmerkung: Da die Referenzbereiche von vielen unterschiedlichen Faktoren, wie z.B. Alter, Geschlecht und Referenzpopulation beeinflußt werden, und darüber hinaus Methoden- bzw. Verfahrens-abhängig sind, sind die numerischen Testergebnisse zwischen verschiedenen Laboratorien nicht vergleichbar. Jeder Laborwert sollte daher auf den jeweiligen spezifischen Referenzbereich bezogen werden. Lab Tests Online empfiehlt daher ausdrücklich, die jeweiligen Testergebnisse mit dem behandelnden Arzt zu diskutieren. Weitere Informationen zu Referenzbereichen können der Rubrik „Referenzbereiche und Ihre Bedeutung“ entnommen werden.)
Hohe Spiegel an C-Peptiden zeigen generell einen hohen Insulinspiegel an. Dies kann durch eine überschüssige Insulinherstellung, eine Antwort der Blutglukose auf Glukoseaufnahme und/oder Insulinresistenz verursacht werden. (Bei der Insulinresistenz verwenden die Körperzellen das Insulin nicht in gewünschter Weise, um die Glukose in die Zellen zu transportieren. Diese Zellen „hungern nach Glukose“, interpretieren diesen Zustand als Insulinmangel und signalisieren dem Körper, mehr Insulin zu produzieren). Hohe C-Peptid-Spiegel treten auch bei Insulinomen und damit verbundenen Hypoglykämien, Schwangerschaft, Cushing-Syndrom und Nierenversagen auf. Während eines Glukose-Toleranztestes (GTT) steigen die C-Peptid-Werte vorübergehend auf das Fünf- bis Sechsfache an.
Niedrige C-Peptide treten bei unzureichender Insulinproduktion durch die B-Zellen, bei Unterdrückung der Herstellung durch Insulinzuführung von außen (=Hypoglykämia factitia) oder bei Suppressionstests auf, die Stoffe wie Epinephrin nutzen. Die Einnahme von Diuretika und Alkoholkonsum können in manchen Fällen zu verminderten Werten führen.
Was sollte man außerdem wissen?
Die Untersuchung der C-Peptide ist noch nicht sehr verbreitet und unter Umständen nicht in allen Laboratorien durchführbar. Am häufigsten werden zwei Testmethoden angewendet: RIA (Radioimmunoassay) und ICMA (Immunochemiluminometrischer Assay). Diese Methoden haben unterschiedliche Normalwerte, besitzen unterschiedliche Sensitivitäten und Spezifitäten und sind daher nicht austauschbar. Werden bei einem Patienten mehrere C-Peptiduntersuchungen durchgeführt, sollten sie alle im selben Labor mit identischer Methode erfolgen.
Obwohl sie in gleichem Maße hergestellt werden, verlassen C-Peptide und Insulin den Körper auf verschiedenen Wegen. Insulin wird in der Leber weiterverwertet und verstoffwechselt, während C-Peptide in der Niere degradiert und entfernt werden. Da der Halbwertszeit der C-Peptide von etwa 30 Minuten eine Halbwertszeit des Insulins von fünf Minuten gegenübersteht, befinden sich normalerweise etwa fünf Mal so viele C-Peptide wie Insulin in der Blutbahn. Rechnet man zu diesen Ergebnissen die Tatsache, daß die Nieren- und/oder die Leberfunktion des Patienten vermindert sein kann und daher die Entfernung von Insulin und C-Peptiden nicht effektiv erfolgt, ergibt sich daraus eine Verfälschung der C-Peptid-Untersuchung. Somit steht für den behandelnden Arzt ein wichtiger Aufschluß über die B-Zell-Funktion und die Insulinproduktion des Patienten zur Verfügung, der aber nicht „perfekt“ ist.
Wird die Untersuchung zur Beurteilung einer Hypoglykämien durchgeführt, muß der Patient vor der Blutuntersuchung nüchtern bleiben.