Was wird untersucht?
Das kleine Blutbild besteht aus der Leukozytenzahl (weiße Blutkörperchen = WBC), der Erythrozytenzahl (rote Blutkörperchen = RBC), der Hämoglobin-Konzentration (Hb bzw. Hgb), dem Hämatokrit-Wert (HCT bzw. Hkt), den Erythrozytenindices (MCH = mittlerer Hämoglobingehalt der Erythrozyten, MCV = mittleres Erythrozyten-Volumen, MCHC = mittlere Hämoglobin-Konzentration der Erythrozyten und Thrombozytenzahl (Blutplättchen = PLT = platelets). Beim großen Blutbild kommt die Differenzierung der weißen Blutzellen (Leukozyten) hinzu.
Der Test besteht aus einer automatisierten Zählung der Blutzellen und einer photometrischen Bestimmung der Hämoglobin-Konzentration (roter Blutfarbstoff). Er gibt Informationen über die weißen/roten Blutzellen und die Blutplättchen. Dazu gehören Zahl, Größe, Form, Typus und einige der physiologischen Charakteristiken der Blutzellen. Binnen ein oder zwei Minuten kann das Analysengerät tausende von roten bzw. weißen Blutkörperchen und Blutplättchen messen und mit etablierten Standardwerten vergleichen.
In den meisten Fällen ist das automatisierte Blutbild sehr zuverlässig und der Test damit abgeschlossen. Liegen jedoch abnorme Veränderungen einer oder mehrerer Zellarten vor, gibt das Analysengerät in der Regel einen Hinweis, so dass ein Blutausstrich erfolgt. Bei diesem Test wird ein Blutstropfen dünn auf einem Objektträger aus Glas ausgestrichen, luftgetrocknet und mit speziellen Substanzen angefärbt. Beim Untersuchen des Ausstrichs unter dem Mikroskop werden die gefundenen Zellen evaluiert.
Blut besteht aus den Blutzellen, die in einer Flüssigkeit (Plasma) eingelagert sind. Diese Zellen (d.h. weiße, rote Blutkörperchen und Blutplättchen) werden im Knochenmark gebildet, wo auch ihre primäre Reifung stattfindet. Unter normalen Umständen werden sie bei Bedarf aus dem Knochenmark ausgeschüttet, bis eine bestimmte Konzentration im Blut erreicht ist (s. Referenzbereiche = Normbereiche).
Weiße Blutkörperchen (Leukozyten)
Es gibt fünf verschiedene Typen von weißen Blutkörperchen, die der Körper zur Bekämpfung von Infektionen oder den Folgen von Verletzungen benötigt. Diese Typen (neutrophile, basophile und eosinophile Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten) liegen in relativ stabilen Konzentrationen im Blut vor, mit temporären Schwankungen, die von verschiedenen körperlichen Zuständen abhängig sind. Zum Beispiel ist die Konzentration neutrophiler Granulozyten bei einer Infektion erhöht (verbunden mit der vermehrten Ausschüttung unreifer Vorstufen wird dies als "Linksverschiebung" bezeichnet); höhere Werte weist auch die Konzentration der eosinophilen Granulozyten auf,, z. B. bei Allergien oder parasitären Erkrankungen. Bei Leukämie ist eine bestimmte Zelllinie (z. B. Lymphozyten) deutlich erhöht. In diesem Fall befinden sich unreife Vorstufen (Blasten) oder reife Lymphozyten in großer Zahl im Blut. Es gibt Leukämieformen (vor allem bei älteren Menschen), die nur mit einer geringen Veränderung oder gar Verminderung der Leukozytenzahl einhergehen. Die Blutbild-Untersuchung bestimmt, ob Leukozyten in ausreichender Zahl vorhanden sind, um eine Infektion zu bekämpfen; die Untersuchung liefert außerdem Informationen darüber, ob mehr Leukozyten als normal vorhanden sind und gibt die Prozentzahl der einzelnen Leukozyten-Typen an.
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten)
Erythrozyten haben eine rote Farbe und die Form einer kreisrunden Scheibe mit einer dünnen Stelle in der Mitte. Sie enthalten vor allem Hämoglobin (roter Blutfarbstoff), ein Protein, das Sauerstoff binden und durch den Körper transportieren kann. Die Untersuchung des Blutbilds zeigt, ob ausreichend Erythrozyten im Blut vorhanden sind und ob die Population der roten Blutkörperchen normal aussieht. Alle Erythrozyten weisen normalerweise identische Größe und Form auf. Es können jedoch Abweichungen der Form auftreten (bei Vitamin- B12-, Folsäure-Mangel, Eisenmangel und anderen Erkrankungen). Bei zu niedriger Erythrozytenzahl liegt wahrscheinlich eine Anämie vor, die gewöhnlich mit Symptomen wie Müdigkeit und Schwäche einhergeht. Wesentlich seltener kommt es zu einer erhöhten Zahl von Erythrozyten (Erythrozytose, Polyzythämie); dies kann im Extremfall zu Störungen des Blutflusses durch Venen und Arterien führen.
Blutplättchen (Thrombozyten).
Thrombozyten sind spezielle Zellen, die eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielen. Bei zu niedrigen Thrombozytenzahlen besteht eine erhöhte Gefahr von exzessiven Blutungen bei Verletzungen und Operationen sowie von kleinen punktförmigen Hautblutungen. Die Blutbilduntersuchung bestimmt die Zahl und Form der vorhandenen Blutplättchen. Bei manchen Patienten und unter bestimmten Bedingungen, wie dem Vorkommen von Erythrozytenfragmenten, Riesenthrombozyten und Klumpenbildung der Thrombozyten, kann es schwierig für das Messgerät sein, eine richtige Messung durchzuführen. In solchen Fällen kann bei der Blutentnahme ein Blutausstrich oder ein anderes Antikoagulanz nötig sein.
Wie wird das Probenmaterial für die Untersuchung gewonnen?
Die Blutbilduntersuchung erfolgt mit ungerinnbar gemachtem Blut aus einer Armvene, aus einem Finger (Kinder und Erwachsene) oder aus dem Fersenballen (Säuglinge) entnommen wird.