Wie wird der Test eingesetzt?
Blutkulturen werden dafür eingesetzt, im Blut Bakterien oder Pilze nachzuweisen, die von einer anderen Stelle im Körper in die Blutbahn gelangen konnten. Hat ein Patient zum Beispiel eine bakterielle Lungenentzündung (Pneumonie) oder Hirnhautentzündung (Meningitis), können die ursächlichen Erreger möglicherweise im Blut nachgewiesen werden. Dies ermöglicht das Erkennen des ursächlichen Erregers und eine zielgerichtete, effektive Therapie.
Wann kann der Test sinnvoll sein?
Symptome, die für ein Vorhandensein von Bakterien im Blut sprechen, sind unter anderem Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, schneller Puls, Benommenheit, geringe Urinausscheidung und andere Organstörungen. Bestimmte Patientengruppen profitieren besonders von einer frühzeitigen Diagnose. Insbesondere schwere Infektionen der Lunge oder der Niere, Operationen, Herzklappenersatz oder immunsuppressive Therapien erhöhen das Risiko für die Ausbildung einer systemischen Infektion. In diesen Fällen ist die Abnahme von Blutkulturen besonders zu empfehlen. Bei erkrankten Säuglingen werden häufig Blutkulturen abgenommen, ohne dass sich die typischen Zeichen einer Sepsis zeigen. In gleicher Weise werden Kleinkindern Blutkulturen abgenommen, um schwere Infektionen zu diagnostizieren.
Was bedeutet das Testergebnis?
Eine positive Blutkultur bedeutet, dass Bakterien (Bakteriämie) oder Pilze (Fungämie) im Blutkreislauf vorhanden sind, die in der Regel gezielt therapiert werden müssen. Wie erwähnt, ist jedoch der kontaminationsbedingte Erregernachweis zum Beispiel durch Hautkeime bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen (siehe unten). Kann sich der Erreger weiter vermehren und schreitet die Erkrankung fort, kann es zur Sepsis kommen (umgangssprachlich auch als „Blutvergiftung“ bezeichnet). Diese Erkrankung ist im höchsten Maße lebensbedrohlich, besonders bei immungeschwächten Menschen. Während auf das Ergebnis einer Blutkultur gewartet wird, kann mit einer Breitspektrum-Antibiotika- (ggf. zusätzlich antimykotischen) Therapie begonnen werden, die gegen eine Vielzahl verschiedener Bakterien wirksam ist. Sobald in der Blutkultur ein bestimmter Erreger nachgewiesen wurde, kann diese breite Antibiose auf eine speziell gegen diesen Erreger wirksame Medikation umgestellt werden.
Ein positives Ergebnis kann natürlich auch durch eine Verunreinigung der Blutkultur mit einem Hautkeim entstehen, also falsch positiv sein. Wenn jedoch bei der Analyse von zwei oder mehr Blutkulturen das gleiche Bakterium gefunden wird, kann man davon ausgehen, dass dieser Keim für die eigentliche Infektion verantwortlich ist. Falls ein Satz positiv der andere negativ ist, kann es sich um eine Infektion oder eine Verunreinigung handeln. Hierbei müssen der klinische Status des Patienten und die Art des Bakteriums mit in Betracht gezogen werden.
Wenn zwei Sätze Blutkulturen negativ ausfallen, ist das Vorhandensein von Bakterien oder Pilzen im Blut nicht ausgeschlossen. Da in der Regel sehr wenige Keime im Blut vorhanden sind, kann der Erregernachweis trotz Bakteriämie oder Fungämie falsch negativ ausfallen. Bei weiter bestehendem Verdacht müssen weitere diagnostische Schritte (z. B. weitere Blutkulturentnahmen) angeschlossen werden. Die Therapie darf in diesem Fall nicht reduziert bzw. verzögert werden.
Eine Erkrankung infolge eines Virus kann nicht durch Standard-Blutkulturen nachgewiesen werden, da Blutkulturen für die Kultur von Bakterien oder Pilzen konzipiert wurden. Für den Nachweis von Viren sind andere Tests (z. B. Nukleinsäurenachweis) erforderlich. Diese können im Einzelfall angefordert werden.
Was sollte man außerdem wissen?
Sepsis oder Septikämie bedeutet, dass sich Bakterien oder bestimmte Pilze auf den ganzen Körper ausgebreitet haben und das Immunsystem im Kampf gegen den Erreger viele verschiedene Stoffe produziert, die zusätzlich Ursache einer Reihe von Krankheitssymptomen sind. Daraus ergeben sich mehrere mögliche Symptome. Eine Septikämie kann einen septischen Schock auslösen, der einerseits mit raschem Puls und Blutdruckabfall einhergeht und zu einer Minderdurchblutung von Gehirn, Herz und Nieren führt. Andererseits werden Gerinnungsstoffe im Blut aktiviert, die zu Blutgerinnseln an verschiedensten Stellen im Körper führen und in der Folge auch Blutungen verursachen können. Die Bakterien im Blut können sich an anderer Stelle im Körper niederlassen, zum Beispiel am Herzen, wo sie die Herzklappen befallen und zerstören können (Endokarditis); dies führt zu veränderten Herzgeräuschen. In den Gelenken, was eine sogenannte septische Arthritis hervorruft.
Symptome wie Fieber, Schüttelfrost, Muskel- und Gelenkschmerz sowie Abgeschlagenheit können auch andere Ursache haben. Bei vielen viralen Erkrankungen kommt es u. a. zu einer vorübergehenden Ausschwemmung des Erregers im Blut (Virämie), die jedoch in der Regel nicht die gleiche Bedeutung hat wie das Vorhandensein von Bakterien oder Pilzen.