Wofür wird der Test eingesetzt?
Die Alpha1-Antitrypsin-Konzentration wird bestimmt um die Ursache für ein Emphysem im jugendlichen Alter zu finden, besonders wenn bei dem Patienten keine naheliegenden Riskiofaktoren (z. B. Rauchen, Exposition gegenüber Industrieabgasen, Stäuben oder bestimmten Dämpfen) vorliegen.
Der Alpha1-Antitrypsin-Test ist auch angezeigt, wenn die Ursachen einer persistierenden Gelbsucht und anderer Symptome einer Lebermalfunktion festgestellt werden sollen. Dies ist vornehmlich bei Säuglingen und Kleinkindern der Fall, kann jedoch auch bei Patienten jeden Alters erforderlich sein.
Die Bestimmung des Phänotyps kann angeordnet werden, wenn die Konzentration von Alpha1-Antitrypsin unter dem Normalwert liegt. Dabei werden Menge und Art des produzierten AAT ermittelt und mit standardisierten Proben verglichen.
Auf die Bestimmung der AAT-Konzentration und des Phänotyps kann eine DNA-Untersuchung folgen. Sobald eine Abweichung von der Norm feststeht, kann durch die Untersuchung der DNA ermittelt werden, welche Proteinaseinhibitor-Gen-Allele (PI) vorliegen. Wie bereits erwähnt, wird nicht auf jede einzelne Variante getestet; es werden nur die häufigsten und wichtigsten Varianten bestimmt (M, S und Z sowie jene, die in der jeweiligen Population oder auch geografisch zu erwarten wären). Sobald die betroffenen PI-Gen-Allele bekannt sind, können auch andere Familienmitglieder getestet werden, um deren Risiko für die Entstehung eines Emphysems und/oder einer Leberbeteiligung bzw. die Wahrscheinlichkeit festzustellen, dass die Gene an Kinder vererbt,werden.
Wann wird der Test angeordnet?
Die AAT-Untersuchung kann angeordnet werden, wenn bei einem Neugeborenen oder Kleinkind eine Gelbsucht auftritt, die länger als gewöhnlich (mehr als ein oder zwei Wochen) dauert; andere entscheidende Symptome sind vergrößerte Milz, Aszites (Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöle), Pruritus (Juckreiz) und weitere Zeichen einer Leberschädigung. Der Test kann auch angeordnet werden, wenn bei einem Patienten unter 40 ein keuchendes Atemgeräusch, chronischer Husten, Bronchitis, Kurzatmigkeit nach Anstrengung und/oder andere Anzeichen vorliegen, die auf ein Emphysem hindeuten. Der Test ist besonders dann indiziert, wenn der Patient Nichtraucher, nicht erkennbar Reizstoffen ausgesetzt ist und die Schädigung besonders in den unteren Lungenarealen lokalisiert ist. Die Untersuchung ist außerdem angezeigt, wenn ein naher Verwandter an Alpha1–Antitrypsin-Mangel leidet.
Die Bestimmung des Phänotyps wird angeordnet, wenn bei einem Patienten verminderte AAT-Werte vorliegen. Eine DNA-Untersuchung erfolgt auch, wenn die AAT-Bestimmung erkennen lässt, dass der Patient unter der Norm liegende AAT-Spiegel aufweist und die Bestimmung des Phänotyps ergeben hat, dass bei einem Teil oder beim gesamten AAT Protein-Varianten vorliegen. Die Untersuchung ist auch angezeigt wenn in seltenen Fällen gar kein AAT produziert wird. Ein DNS-Test kann bei nahen Verwandten des Betroffenen vorgenommen werden, die Untersuchung wird auch dann vorgenommen, wenn der Patient erfahren möchte, wie hoch das Risiko für seine Kinder ist.
Was bedeutet das Testergebnis?
Der Konzentration von Alpha1-Antitrypsin kommt vor allem dann Bedeutung zu, wenn sie unter dem Normalwert liegt und/oder erkennen lässt, dass das produzierte AAT fehlerhaft ist. Je niedriger die AAT-Spiegel, desto höher das Risiko, ein Emphysem zu entwickeln.
Bei fehlerhaft produziertem AAT spielt die Menge und das Ausmaß der „Fehlerhaftigkeit“ eine große Rolle. Niedrige Konzentrationen von funktionsuntüchtigem AAT im Blut können sowohl zur Ausbildung eines Empyhsems (aufgrund mangelhaft protektiver Wirkung auf die Lunge) als auch zu Leberschädigung durch die Anhäufung von schadhaftem AAT in den Leberzellen führen, von denen es produziert wird.
Liegen ein oder zwei abnormale Kopien des Proteinaseinhibitor-Gens vor (wie bei der DNA-Untersuchung festgestellt), wird weniger und eventuell fehlerhaftes AAT produziert; diese veränderten Kopien der Gene können an die Kinder des Patienten vererbt werden. Das Ausmaß des AAT-Mangels und der Grad der Schädigung von Leber und/oder Lunge variiert sehr stark. So können zwei Patienten mit der gleichen Genveränderung sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe haben.
Was sollte man außerdem wissen?
Alpha1-Antitrypsin ist ein Akut-Phase-Protein. Das bedeutet: Es ist bei akuten und chronischen Entzündungsprozessen, Infektionen und einigen Tumoren erhöht. Erhöhte AAT-Konzentrationen können auch bei Einnahme oraler Kontrazeptiva, in der Schwangerschaft sowie bei Stress und Schilddrüsenerkrankungen vorliegen. Bei einem erhöhten AAT Bestand wird dieser Test in der Regel nicht bewertet oder in diesen Situationen als Monitoring verwendet. Auch bei Patienten mit geringem bis mäßigem AAT-Mangel können somit die AAT-Werte „normal“ sein, wenn zusätzlich einer der genannten Faktoren diese Werte entsprechend erhöhen kann.
AAT-Konzentrationen können bei Neugeborenen Atemnot verursachen; die Werte sind bei Nierenerkrankungen (z. B. Nephrotisches Syndrom), Mangelernährung und einigen Tumoren reduziert.