Beschreibung der Erkrankung

Bei der multiplen Sklerose (MS) handelt es sich um eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), welches das Gehirn und das Rückenmark umfaßt. Die multiple Sklerose ist eine meist schubförmig verlaufende, chronische Autoimmun-Erkrankung des Nervensystems, die meist im frühen Erwachsenenalter beginnt und bevorzugt Frauen betrifft.

Die MS führt zur chronischen Entzündung und zur Zerstörung des Myelins, der Fettummantelung zur Isolierung der Nervenzellen. Dieser „Demyelinisierungs“-Prozess stört die Impulsübertragung im Nerven, beeinträchtigt die Muskelkontrolle und verursacht eine Vielzahl von sensorischen, motorischen und psychologischen Symptomen. Der Schaden am Myelin wird mit der Zeit wieder behoben und die Symptome verschwinden, aber wiederholte Attacken können zu einem kontinuierlichem Vorgang der De- und Remyelinisierung führen, der an der Nervenfaser zu Narbenbildung und einer zunehmenden Funktionseinschränkung führt.

Die Ursache der MS ist unbekannt. Man glaubt, dass es sich dabei um einen von einem Virus, Umweltfaktoren und/oder genetischen Vorraussetzungen ausgelösten Autoimmunprozeß handelt. Typischerweise kommt die MS im Alter von 20 bis 40 Jahren zum ersten Mal zum Vorschein. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, bei nordeuropäischen Kaukasiern ist sie häufiger als bei anderen ethnischen Gruppen und wird in den gemäßigten Breitengraden öfter gesehen als in heißen Ländern. Von 10.000 Einwohnern sind in Deutschland etwa sechs erkrankt, dabei besteht interessanterweise ein deutliches Nord-Süd-Gefälle in der Häufigkeit dieser Erkrankung. Das Risiko, eine MS zu entwickeln, liegt in der Allgemeinbevölkerung bei einem Zehntel Prozent (1 von 1000). In Familien mit einem betroffenen Mitglied steigt das Risiko auf 3% und liegt für den eineiigen Zwilling eines Erkrankten bei 30%, was sie These einer genetischen Ursache stützt.

Symptome und Befunde
Da die MS jeden Bereich des ZNS betreffen kann, variieren die Zeichen und Symptome stark, da sie auch davon abhängen, für was die erkrankten Nervenfasern im jeweiligen betroffenen Bereich zuständig waren. Der schubweise Verlauf über Jahrzehnte der durch zwischenzeitliche vorübergehende Besserungen unterbrochen ist (sogenannte Remissionen), ist vor allem durch spastische Lähmungen mit abgeschwächten Muskelreflexen und Sehstörungen bei Beteiligung des Sehnervs gekennzeichnet. Daneben können weitere unterschiedliche Nervenstörungen, wie z.B. Sprachstörungen, Zittern der Hände (Tremor) und Magen-Darm-Störungen phasenweise auftreten. Sensorische Symptome können Taubheitsgefühl, Kribbeln, Schmerzen, Brennen, Jucken, Gesichtsschmerzen und visuelle Störungen umfassen. Zu den motorischen Symptomen werden Sprechstörungen, Muskelschwäche, Tremor (Zittern), Gehschwierigkeiten, Koordinationseinschränkungen, Obstipation (Verstopfung) und Probleme bei der Blasenkontrolle gezählt. Zu den psychologischen Symptomen rechnet man Stimmungsschwankungen, Depression und kognitive Störungen (Störungen der Wahrnehmung). Müdigkeit erscheint bei bis zu 90% der Patienten und etwa 60% der Patienten klagen über Temperatursensitivität; ihre Symptome verschlechtern sich bei Hitze zeitweilig. Die MS-Symptome können kommen und gehen und ihre Dauer kann von Tagen bis hin zu Monaten reichen. Komplette oder teilweise Remissionen (Rückbildungen) der Symptome, besonders in einem frühen Stadium der Erkrankung, sind bei schätzungsweise 70% der Betroffenen zu beobachten.

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Letzte Aktualisierung am 17.04.2007