Labortests


Die Bestimmung der Blutzuckerkonzentration ist der wichtigste Labortest bei Diabetikern. Der Nüchternblutzucker wird bei Verdacht auf Prä-Diabetes und zur Diagnose eines manifesten Diabetes eingesetzt. Dieser Test wird normalerweise im Rahmen einer Routine-Blutuntersuchung, bei Vorliegen von Symptomen, die auf einen Diabetes Hinweis geben oder bei einer akuten Entgleisung durchgeführt. Da der Blutzuckerspiegel im Blut in Abhängigkeit von der körperlichen Aktivität, der Nahrungsaufnahme und weiteren Faktoren außerordentlich schwanken kann, muß die Abnahme unter standardisierten Bedingungen, am besten auch in Form mehrerer Bestimmungen zu verschiedenen Zeiten stattfinden.

Die Diagnose eines manifesten Diabetes sollten gemäß der Leitlinie der medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF) in Deutschland umfaßt die Bestimmung mehrerer Gelegenheitsglukosewerte, die wiederholt über dem Normbereich liegen. Bevorzugt wird die Bestimmung mehrerer Nüchternglukose-Werte. Die Durchführung eines oralen Glukosetoleranztests (oGTT) ist nur selten erforderlich und wird in den Leitlinien nicht unter den Routine-Diagnose-Maßnahmen genannt. Dabei gelten folgende Diagnosekriterien:

Diagnose „Diabetes mellitus“

  1. klassische Symptome und ein Gelegenheits-Blutglukosewert > 200 mg/dl (11,1 mmol/l); im venösen Plasma oder kapillären Vollblut oder 
  2. wiederholte Bestätigung einer Gelegenheits-Blutglukose > 200 mg/dl (11,1 mmol/l)
  3. Bestätigung durch eine Nüchternblutglukose von > 110 mg/dl 6,1 mmol/l) im kapillären Vollblut bzw. > 126 mg/dl (7,0 mmol/l) im venösen Plasma oder
  4. OGTT-2-h-Wert im venösen Plasma oder kapillären Vollblut > 200 mg/dl (11,1 mmol/l)

Diagnose „Abnormale Nüchternglukose“

  1. IFG (impaired fasting glucose, „abnorme Nüchternglukose“) Nüchterblutglukose von > 110 mg/dl (6,1 mmol/l) und < 126 mg/dl (7,0 mmol/l) im venösen Plasma oder
  2. IFG
    Nüchternblutglukose > 100 mg/dl (5,6 mmol/l) und < 110 mg/dl (6,1 mmol/l) im kapillären Vollblut

Diagnose „Gestörte Glukosetoleranz“

  1. IGT (impaired glucose tolerance) für eine Blutglukose beim 2-h-Wert im OGTT > 140 mg/dl (7,8 mmol/l) im venösen Plasma oder im kapillären Vollblut 
  2. Bei Glukosewerten, die zwar gegenüber der Norm erhöht sind aber noch unterhalb der diagnostischen Kriterien für einen Diabetes mellitus liegen

Ein Nüchterblutzucker kann erst nach mindestens 8-stündiger Nahrungskarenz durchgeführt werden. Ein oraler Glukose-Belastungstest (Toleranz-Test, oGTT) erfolgt in der Regel in der Praxis durch  Trinken einer definierten Zuckerlösung. Um die Diagnose allerdings wirklich sichern zu können, sollten beide Tests zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden. Beim OGTT wird zuerst der Nüchternblutzucker bestimmt, bevor der Patient eine definierte Menge an Glukose zu sich nimmt. Im Abstand von einer und zwei Stunden nach dieser Glukosebelatung wird dann erneut die Blutzuckerkonzentration gemessen. Zur Diagnostik eines Gestationsdiabetes wird ebenfall der OGTT herangezogen, wenn sich Auffälligkeiten bei der Nüchtern- oder Gelegenheitsglukose ergeben haben.

Manchmal wird auch die Glukosekonzentration im Urin mit einem Schnelltest bestimmt. Dabei wird ein Teststreifen in eine Probe des Spontanurins getaucht und zeigt ein eventuelles Vorhandensein einer erhöhten Glukose- oder auch Ketonkörperkonzentration an. Im Falle eines positiven Nachweises deutet dies auf einen pathologischen Zustand hinsichtlich des Glukosemetabolismus hin, der näher untersucht werden muß. Dieser Schnelltest ist ein Screening-Instrument, ist aber nicht ausreichend sensitiv als alleiniges Instrument der Verlaufs- und Therapie-Kontrolle.

Diabetiker müssen mehrmals pro Tag ihre Blutzuckerspiegel kontrollieren, nach denen sie dann anhand der Anweisungen des behandelnden Arztes die Insulin- oder Tablettendosis richten können. Dies geschieht in der Regel mit Hilfe eines Schnelltests, bei dem ein Tropfen Blut aus der Fingerbeere nach Stich mit einer kleinen Lanzette auf einen Teststreifen gebracht wird, der dann in ein Messgerät geschoben wird. Die Blutzuckerkonzentration wird  in digitaler Form auf dem Bildschirm angezeigt.

Hb A1c (glykolisiertes Hämoglobin) ist ein Test, der die Blutzuckereinstellung über einen längeren Zeitraum (die letzten 2 – 3 Monate) zurückverfolgen kann. Er wird bei Diabetikern mehrmals pro Jahr durchgeführt. Er zeigt, wie gut die medikamentöse Therapie und/oder Mitarbeit des Patienten funktioniert. Mit der Senkung der HbA1c-Werte in die Nähe des Normbereiches lässt sich das Risiko für mikroangio- und neuropathische Komplikationen deutlich mindern.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Labortests, die zur Überwachung des Diabetes und seiner Komplikationen zum Einsatz kommen:

  • zur Kontrolle der Nierenfunktion:
    Kreatinin-Clearance, Kreatinin, GFR/EGFR, CMP, BUN, Mikroalbumin, Cystatin C
  • zur Überwachung des Lipidstoffwechsels:
    Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyceride, Lipid-Profil
  • zur Kontrolle des Insulinspiegels:
    Insulin, C-Peptid

Eine Screeninguntersuchung bestehend aus mehreren Nüchternglukose-bestimmungen in kurzen Abständen auf Diabetes mellitus wird bei folgenden Risikofaktoren von der AWMF empfohlen:

  • Diabetes mellitus Typ 2 bei erstgradig Verwandten
  • bei Übergewicht und körperlicher Inaktivität
  • bei arterieller Hypertonie (Blutdruck > 140/90 mmHg) 
  • bei Dyslipoproteinämie mit HDL-Cholesterin < 35 mg/dl (0,9 mmol/l) und / oder Triglyzeride > 250 mg/dl (2,85 mmol/l) 
  • nach Gestationsdiabetes oder nach Geburt eines Kindes mit Geburtsgewicht > 4000 g
  • bei früherem Nachweis einer gestörten Glukosetoleranz (IGT) oder einer abnormen Nüchternglukose (IFG)
  • bei makrovaskulären Erkrankungen
  • bei Albuminurie

!!! Beachte: HbA1c oder Fruktosamin sind zum Screening auf Diabetes oder eine gestörte Glukosetoleranz nicht geeignet.

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Letzte Aktualisierung am 20.04.2007