Beschreibung


Der Begriff Diabetes mellitus bezeichnet eine Erkrankung, die durch die Unfähigkeit der Bauchspeicheldrüse gekennzeichnet ist, im erforderlichen Maß Insulin zu produzieren und damit Glukose (Traubenzucker) zu verstoffwechseln. Der Diabetes mellitus gehört zu den großen „Volkskrankheiten“, die aufgrund ihrer hohen Begleit- und Folgeerkrankungen zwischen 5 und 10% aller Ausgaben in den Gesundheitssystemen der Industrieländer beansprucht. Da zwischen verschiedenen Ländern erhebliche Unterschiede in der Prävalenz des Diabetes mellitus bestehen, müssen jeweils landesspezifische Häufigkeiten der Erkrankung betrachtet werden, da Angaben aus anderen Ländern mit anderen Populationen hier in der Regel keine Aussagekraft haben. In Deutschland beträgt die Prävalenz etwa 4/100.000 Einwohner pro Jahr, die Inzidenz 11/ 100.000 Einwohner pro Jahr. Die Gesamtzahl aller Diabetiker in Deutschland liegt etwa bei 6 Millionen, davon sind 400.000 Typ I Diabetiker und insgesamt 1,6 Millionen mit Insulin behandelt während 2,6 Millionen mit oralen Antidiabetika behandelt werden. In den USA (CDC-Daten, Centers for Disease Control and Prevention, 2002) waren 18 Millionen US-Amerikaner an Diabetes erkrankt, aber nur ca. 5 Millionen waren sich dieser Tatsache auch bewusst.
Bei Diabetes ist das Stoffwechselgleichgewicht von Insulin und Glukose gestört. Nach Aufnahme mit der Nahrung werden Kohlenhydrate zu Glukose und anderen niedermolekularen Zuckern verstoffwechselt. Infolgedessen steigt der Blutzucker-Spiegel an und stimuliert die Insulinproduktion und –sekretion der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Insulin ist ein Hormon, das von Inselzellen des Pankreas (B-Zellen) gebildet wird.  Es reguliert den Transport und die Aufnahme zu/in den/die Körperzellen. Sein natürlicher Gegenspieler bei der Aufrechterhaltung eines konstanten Blutzuckerspiegels ist ein weiteres Pankreas-Hormon, das Glukagon. Ist die pankreatische Insulin-Produktion insuffizient oder sind die peripheren Körperzellen resistent gegenüber seiner Wirkung (periphere Insulinresistenz), so resultieren daraus erhöhte Blutzucker-Werte und die Körperzellen, die eigentlich Glukose zur Energiebereitstellung benötigen, müssen „hungern“. Dies kann je nach Schweregrad der Blutzuckerentgleisung zu akuten oder chronischen Krankheitserscheinungen führen. Die meisten Gewebetypen des Körpers decken einen Großteil ihres Energiebedarfs durch Glukose. Das Gehirn und Nervensystem sind dabei sogar allein auf die Glukose angewiesen.

Eine akute Hyperglykäme (Erhöhung des Blutzucker-Spiegels) kann einen lebensbedrohlichen Notfall darstellen. Der Körper versucht dann durch eine gesteigerte Diurese (Urinausscheidung) die überschüssige Glukose aus dem Blut zu entfernen. Dieser Kompensationsmechanismus kann allerdings selbst entgleisen und zu einer Dehydrierung und Elektrolytstörungen führen. Da den Zellen die Glukose nicht mehr zur Energiebereitstellung zur Verfügung steht, müssen diese auf  Reserve-Mechanismen zurückgreifen. Eine Möglichkeit besteht in der Metabolisierung von freien Fettsäuren. Dabei entstehen allerdings sogenannte „Ketonkörper“ als Nebenprodukte, die den Säure-Base-Status in Richtung Azidose verschieben. Man spricht dann von einer Ketoazidose. Die Ketonkörper können im Urin nachgewiesen werden.  Unbehandelt kann eine Hyperglykämie zu Nierenversagen, Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma führen.

Chronische Blutzucker-Erhöhungen können lange Zeit unbemerkt bleiben. Der Körper versucht, diesen Zustand durch eine Steigerung der Insulin-Produktion und Glukose-Ausscheidung im Urin zu kompensieren. Erste Symptome treten in der Regel dann auf, wenn die Kapazität dieser Kompensationsmechanismen überschritten wird. Im Langzeitverlauf kann die Hyperglykämie zu einer Schädigung der Blutgefäßsystems und einer Vielzahl weiterer Organe führen. Typische Folgen sind Bluthochdruck, Schlaganfall und anderen kardiovaskulären Erkrankungen. Insbesondere können auch die Nieren und Augen betroffen sein. Die Schädigungen infolge der permanenten Hyperglykämie entstehen kumulativ und werden vom Patienten meist erst relativ spät bemerkt. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto größer ist die Chance die auftretenden Komplikationen zu minimieren.

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Letzte Aktualisierung am 20.04.2007