Angina Pectoris
Beschreibung der Erkrankung, des Syndroms
Als Angina pectoris bezeichnet man in der Regel plötzlich auftretende Brustschmerzen, die durch eine unzureichende Versorgung des Herzens mit Blut und Sauerstoff verursacht werden. Die Angina pectoris tritt als Hauptsymptom der so genannten koronaren Herzerkrankung (Erkrankung der Herzkranzgefäße) auf. In Deutschland liegt die Prävalenz bei etwa 4%, entsprechend etwa 3,2 Millionen Betroffenen. Oft ist diese Erkrankung mit verengten Arterien wie bei der koronaren Herzerkrankung (KHK) vergesellschaftet. Ursache dieser Verengung ist die Arteriosklerose, bei der sich im Lauf der Zeit Fettdepots in den Blutgefäßen aufbauen. Leidet ein Patient an Angina pectoris, kann die Versorgung des Herzens bei Alltagstätigkeiten noch ausreichen, aber die Arterien sind nicht fähig, angemessen auf einen erhöhten Sauerstoffbedarf während Anstrengung, emotionalem oder körperlichem Streß und Temperaturextremen zu reagieren. Im Anfangsstadium treten die Symptome einer Angina treten nur bei entsprechenden körperlichen oder emotionalen Belastungen auf und verschwinden unter Ruhebedingungen wieder. Typische Schmerzen bei Angina pectoris umfassen
- Brustschmerzen
- Unwohlsein
- Druckgefühl, Engegefühl über dem Brustkorb
- Fortgeleitete Schmerzen- also Schmerzen, die in die linke Schulter, Arm, Rücken oder Kiefer ausstrahlen.
Bei älteren Patienten kann sich das Erkennen der Angina als schwierig erweisen, wenn die Betroffenen über Symptome wie Bauchschmerzen nach dem Essen (aufgrund des erhöhten Blutbedarfes für die Verdauung) oder Schmerzen in Rücken oder Schulter (bei denen an eine Arthritis vermutet werden kann) klagen. Die Höhe der Beanspruchung, die Anginabeschwerden auslöst, und die Symptome variieren von Patient zu Patient und können sich auch von Mal zu Mal oder im zeitlichen Verlauf verändern. Da die KHK dazu neigt, weiter fortzuschreiten, kann sich auch die Angina im Lauf der Zeit verschlimmern- entweder hin zu schwereren Symptomen, häufigeren Episoden und/oder weniger Linderung auf Ruhe und Behandlung.
Häufig sind die Patienten von Begleit- bzw. Folgeerkrankungen betroffen. Diese umfassen insbesondere eine
- Hypertonie (bei ca. 78%)
- Fettstoffwechselstörung (bei ca. 66%)
- Diabetes mellitus (bei ca. 33%)
- bereits mindestens einen Herzinfarkt in der Vorgeschichte (bei ca. 38%).
Aufgrund dieser vielfältigen Krankheitsbelastungen erhalten die Patienten eine umfassende medikamentöse Versorgung. So erhielten mehr als 70% der Patienten mit einem Herzinfarkt in der Anamnese Thrombozytenaggregationshemmerund/ oder Statine und/ oder Blutdrucksenkende Medikamente (z.B. Betablocker, ACE-Hemmer).
Entsprechend der Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie werden folgende Typen der Angina pectoris unterschieden:
1. Latente KHK (Angina pectoris)
Patienten mit sogenannter „stummer Myokardischämie“ einer noch sympotomlosen Mangelversorgung mit Sauerstoff, häufig bei Diabetikern, Vorkommen aber auch im Wechsel mit Angina pectoris. Etwas 30% der KHK Patienten.2. Stabile Angina
Sie wird durch ein noch rückbildungsfähiges Muster von Schmerzsymptomen und Perioden von Unwohlsein charakterisiert, die während Anstrengungen oder stressigen Situationen auftreten. Dieser Schmerz läßt durch Ruhe und/oder die Behandlung mit Nitroglyzerin oder einer anderen angemessenen Medikation nach. Viele der Patienten mit dieser Form der Angina können für viele Jahre ein relativ normales Leben führen, aber bei einigen schreitet die Erkrankung im Verlauf der Zeit oder auch relativ rasch fort und geht in die instabile Form über.3. Instabile Angina
Hier treten die typischen Schmerzen auch in Ruhe auf. Die instabile Angina zählt zu den akuten Koronarsyndromen (einschließlich des Myokardinfarktes) und wird durch eine Veränderung im Muster der Anginaattacken- häufigeres Auftreten, auch in Ruhe und/ oder keine Reaktion auf die Behandlung- charakterisiert. Normalerweise weist dies auf eine Verschlechterung im Zustand des Patienten hin. Der Schmerz, über den Patienten mit instabiler Angina berichten, kann heftiger sein und länger andauern. Patienten mit instabiler Angina haben ein erhöhtes Risiko für Myokardinfarkte, schwere Herzrhythmusstörungen, und Herzstillstand. Es handelt sich hierbei um einen akuten Notfall, der eine umgehende Behandlung erfordert. Auch der allererste Anginaanfall den ein Patient erleidet, wir als instabile Angina bezeichnet.4. Myokardinfarkt (Herzinfarkt)
Ischämische Myokardnekrose (Untergang von Herzmuskeln durch Sauerstoffmangel)5. Akutes Koronarsyndrom
Das akute Kornarsyndrom umfaß ein Spektrum von der instabilen Angina bis zum manifesten Myokardinfarkt, bei dem eine sofortige intensivmedizinische Therapie erforderlich ist.
Die variable Angina (Prinzmetal-Angina) hat teilweise überlappende Beschwerden mit der Angina pectoris und wird daher an dieser Stelle erwähnt. Sie zählt nicht zur klassischen Angina pectoris als Hauptmanifestation der KHK und wird in der Klassifikation der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie daher auch nicht erwähnt. Die variable Angina tritt fast immer während Ruhepausen, meist in der Nacht, auf. Die Ursache ist hier im Gegensatz zur Angina pectoris ein Vasospasmus (eine Verkrampfung der Arterienmuskulatur) der Koronararterien. Viele Patienten mit dieser Form der Erkrankung weisen allerdings zusätzlich zumindest in einem der Hauptgefäße des Herzens auch eine Arteriosklerose (bis hin zur Blockade) auf. Diese Form kommt, wenn auch viel seltener, ebenso bei Patienten mit Erkrankungen der Herzklappen oder unkontrolliertem Bluthochdruck vor und tritt auch bei Konsum von Kokain und Methamphetaminen auf.








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