Beschreibung der Erkrankung, des Syndroms
Der Morbus Alzheimer ist eine irreversible Form der Demenz, die durch Gedächtnisverlust, zunehmende Abnahme der intellektuellen Fähigkeiten, einer Verschlechterung der Sprach- und Sprechfähigkeit und Veränderungen in der Persönlichkeit und im Verhalten, die schließlich auch den Alltag beeinflussen, einhergeht. Die Alzheimer Erkrankung ist die häufigste Demenzform und stellt eine zur Zeit unheilbar fortschreitende Gehirnerkrankung dar. Das Erkrankungsrisiko für die meist spätmanifeste Form nimmt mit dem Alter und in Abhängigkeit von bestimmten Risikofaktoren, insbesondere dem ApoE Genotyp zu. Zur Zeit geht man davon aus, daß etwa 1,2 Millionen Menschen in Deutschland an der Alzheimer Krankheit leiden. Jedes Jahr treten etwa 200.000 neue Fälle in Deutschland auf. Weltweit sind etwa 15 Millionen Menschen betroffen. In allen Nationen erhöht sich die Zahl der Alzheimer-Kranken mit steigender Lebenserwartung.
Obwohl die Veränderungen bei der Alzheimer-Erkrankung denen beim normalen Alterungsprozeß ähneln, ist sie kein normaler Teil dieses Vorgangs. Diese Erkrankung ist durch eine chronisch entzündliche Verletzung und schließlich den Tod von Nervenzellen gekennzeichnet. Eine Schlüsselrolle in der Erkrankung spielt die Bildung sogenannter seniler Plaques (Proteinablagerungen zwischen den Zellen) und neurofibrillärer Stränge (gedrehte Proteinfilamente in den Nervenzellen) im Gehirn, die ein bestimmtes Aß-Protein enthalten. Die Zerstörung der Nervenzellen hat auch einen verminderten Spiegel an Azetylcholin und anderen Neurotransmittern (chemischen Stoffen, die für die Kommunikation der Zellen untereinander notwenig sind) zur Folge. Im Verlauf der Erkrankung kommt es daher zu einer abnehmenden Wechselwirkung zwischen den verschiedenen Arealen des Gehirns.
Zusammenhang mit dem Alter
Das Risiko von Morbus Alzheimer und anderen Demenzen steigt beträchtlich mit dem Alter. Etwa 2-3% der über 65-jährigen leiden an einer Demenz und das Risiko steigt bei den über 90-jährigen sogar bis auf 30% an. Da die Bevölkerung zunehmend überaltert und länger lebt, geht man gegenwärtig davon aus, daß im Jahr 2030 in Deutschland mit 2,3 Millionen Betroffenen gerechnet werden muß
Die meisten der Alzheimer-Fälle weisen einen sogenannten “späten Beginn“, also einen Krankheitsbeginn nach dem 65. Lebensjahr, auf und treten sporadisch auf (ohne offensichtliche familiäre Häufung). Der Morbus Alzheimer mit „frühem Beginn“, tritt schon vor dem 65. Lebensjahr auf, ist seltener und tritt oft familiär gehäuft auf. (Das gilt für etwa 5 bis 10% der Alzheimer-Fälle.)
Genetischer Zusammenhang
Die Alzheimer-Erkrankung scheint durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht zu werden; obwohl viele dieser Faktoren noch nicht gut verstanden werden, weisen manche eine genetische Komponente auf. Bisher wurden drei Gene mit der seltenen Form des frühen familiären Alzheimers in Verbindung gebracht. Bestimmte Mutationen (Veränderungen) in jedem dieser Gene (bekannt als PSEN1, PSEN2 und APP) verursachen bei den Trägern dieser Mutation die Alzheimer-Erkrankung. In diesem Fall besteht eine sehr hohe, manche Studien weisen auf ein 50%ige Wahrscheinlichkeit hin, diese Veränderung an jedes ihrer/seiner Kinder weiterzugeben. Bisher wurden die Mutationen in diesen drei Genen nur bei einer sehr kleinen Zahl von Familien gefunden. Auch muß die normale Rolle und Funktion dieser Gene noch genauer untersucht werden.
Daneben existieren weitere Gene, die zwar den Morbus Alzheimer nicht verursachen, aber das Erkrankungsrisiko deutlich erhöhen. Dies erklärt, warum auch bei Personen mit betroffenen Familienmitgliedern ein erhöhtes Risiko für die späte Form der Erkrankung besteht.
Für das ApoE-Gen wurde dieser Zusammenhang am besten nachgewiesen. Dieses Gen steuert die Produktion des Apolipoproteins E, einem Eiweiß, das einen Teil der Lipoproteine des Körpers (wie HDL-Cholesterin) bildet und in den Lipidtransport (Fetttransport) aus den Körperzellen heraus und daher in die Reinigung des Körpers von mit der Nahrung aufgenommenen Fetten eingebunden ist. Das ApoE existiert normalerweise in drei Formen: E2, E3 und E4. Jeder Mensch besitzt zwei Kopien dieses ApoE-Gens in einer bestimmten Kombination aus den genannten drei Genvarianten. ApoE E4 wird mit einem erhöhen Risiko für Morbus Alzheimer in Verbindung gebracht insbesondere wenn beide Allele E4/E4 bei einer Person vorhanden sind.
Das Alzheimer-Risiko hängt auch von der ethnischen Abstammung ab: das Risiko ist beispielsweise bei Amerikanern afrikanischer Abstammung vier Mal höher und bei Spaniern zwei Mal höher als bei Kaukasiern.
Die meisten Personen mit Down-Syndrom, das durch eine Trisomie des Chromosoms 21 verursacht wird, zeigen bis zum Alter von 40 oder 50 einige typische der mit der Alzheimer-Erkrankung verbundenen Veränderungen. Die pathologischen Veränderungen, die im Gehirn der erwachsenen Down-Syndrom-Patienten gefunden werden, sind denen bei Alzheimer sehr ähnlich. Zusätzlich löst die krankhafte dritte Kopie des Chromosoms 21 die vermehrte Produktion des Proteins, das in den senilen Plaques gefunden wird, aus. Verwandte von Personen mit Down-Syndrom haben kein erhöhtes Alzheimer-Risiko, wenn sie nicht selbst eine zusätzliche Kopie des Chromosoms 21 besitzen.








